18/01/2021
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Von hier oben sah er groß, schlank und athletisch wie ein junger Gott aus. Er hatte sich sein klitschnasses Shirt ausgezogen und versuchte damit sein Gesicht zu trocknen. Der Himmel riss auf und der helle Mond ließ die Wassertropfen auf seiner Haut glitzern. Jeder Muskel seines makellosen Körpers war angespannt. Mechanisch lief er immer wieder dasselbe Stück hin und zurück, als könne er sich nicht für die eine oder andere Richtung entscheiden. Urplötzlich blieb er stehen, riss seinen Kopf herum und sah mir direkt in die Augen. Er strahlte mich förmlich an.
Ich konnte mich meiner Gefühle für ihn nicht mehr erwehren: Ich atmete tief durch und lief hinunter.
Sofort kam er mir mit schnellen Schritten entgegen. Als er nur noch zwei Schritte von mir entfernt war, blieb er stehen und flüsterte. »Ich hatte gehofft, dass du noch mal kommst … um dich zu verabschieden.«
Mir liefen immer noch Tränen übers Gesicht, doch bevor ich etwas sagen konnte, nahm er mich mit einem Ruck in den Arm. »E ho`i i ka pili E ku`u Puʻuwai E nêne`e mai e nânea mai E ke aloha E ho`onipo kâua«, er nuschelte diese Worte regelrecht.
»Es tut mir leid, ich habe dich nicht verstanden.«
Er nahm mein Gesicht in seine Hände und gab mir einen Honi. »Das bedeutet: Komm her zu mir mein Herz, ich möchte dir jetzt ganz nahe sein. Liebe mich, mein Liebes … nur dieses eine Mal.« Seine Gold schimmernden Augen sahen direkt in meine Seele.
Ich versank in seinen Armen, ich hatte nicht mehr die Kraft mich dagegen zu wehren. Langsam glitt seine Zunge in meinen Mund. Erst vorsichtig, dann immer fordernder. Seine Hände schoben sich unter mein Kleid und mit einem Ruck zog er es mir über den Kopf, um mich dann mit einem kleinen Stups in den weichen Sand zu befördern.
Bevor ich diesen kleinen Angriff überhaupt realisiert hatte, waren seine Lippen auf meiner Brust. Heiß und fordernd liebkosten sie mich. Sein Mund und seine Hände ließen keine Körperstelle oberhalb meines Bauchnabels aus. Unterhalb des Bauchnabels ließ er seine Beine sprechen: Sie rutschen an meinen hoch und runter.
Ich wusste nicht, wie oder wann er sich seiner Shorts und meines Slips entledigte, doch auf einmal spürte ich, dass wir beide vollkommen n***t waren. Mit seinem Knie drängte er meine Beine auseinander. Dann fühlte ich, wie er in mich eindrang.
Er nahm mich mit einer bis dahin unbekannten Leidenschaft. Ja, es war ein alles beherrschender Akt, als wollte er mir mit jedem Stoß sagen: ›Du bist mein und du wirst auch immer mein bleiben.‹
Schutzlos war ich ihm ausgeliefert, wehrlos überließ ich mich seiner Macht. Anfangs war es nur ein Glühen in meinem Körper, doch jeder Stoß trieb die Flamme in mir weiter an. Ich wollte mehr: Mehr Hitze, mehr Feuer. Ich wollte verglühen.
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Während ich ihm noch immer hinterherblickte, kamen längst vergessene Erinnerungen wieder hoch:
Ich stand auf dem Dach des Krankenhauses und starrte in die Tiefe. Vielleicht waren es Sekunden, Minuten oder bereits schon Stunden. Ich wusste es weder damals noch heute. Für mich hatte die Zeit an Gültigkeit verloren.
Obwohl alles um mich in Dunkelheit versunken schien, fühlte ich plötzlich die Anwesenheit von jemanden. Vor Furcht, die Person könnte mich an meinem Vorhaben hindern, ging ich näher an den Rand.
»Noch einen Schritt. Dann hast du´s geschafft«, sagte eine männliche Stimme. »Dann hast du den ganzen Mist hinter dir gelassen und deine Eltern können aufhören sich Sorgen um dein Wohlbefinden zu machen.«
Wie angewurzelt blieb ich damals stehen. Ich wagte weder den Schritt vor noch den zurück.
Daniel indes kam, ohne dass ich es wirklich wahrnahm, näher. Wie eine Katze, die auf Beutefang war, schlich er an mich heran und redete unaufhörlich auf mich ein. »Sie müssen dann nur noch akzeptieren, dass ihre einzige Tochter lieber den Freitod gewählt hat, als sich aufzurappeln und ein neues Leben zu beginnen. Irgendwann werden sie es vielleicht verstehen. Und wenn nicht, ist es auch egal.«
Wut stieg in mir auf. »Was weißt du schon von mir und meinen Eltern?«, schrie ich in die Dunkelheit hinein.
»Eigentlich gar nichts. Aber das ist gleich ja auch nicht mehr relevant. Wenn du runter springst, mache ich einfach einen Vermerk auf deine Akte und das war´s dann für mich.« Für einen Moment hielt er tatsächlich die Klappe. »Es sei denn das Krankenhaus will, dass ich mich dann um deine Eltern kümmere. Mmh … Was soll ich denen nur erzählen? Soll ich ihnen sagen, dass ihre Tochter von tiefen Depressionen zerfressen wurde? Oder soll ich sie lieber anlügen?«
Irritiert und neugierig zugleich riss ich meinen Kopf nach links, wo ich ihn vermutete.
Plötzlich ertönte seine Stimme von der anderen Seite. »Ich könnte ihnen erzählen, dass es ein Unfall war«, flüsterte er leise.
Diesmal schwenkte ich mein Haupt nach rechts. Und wieder konnte ich ihn nicht erblicken.
»Aber was ist, wenn sie die Wahrheit schon wissen? … Werden sie damit leben können, dass ihre Tochter zu feige war, sich dem Leben zu stellen, oder werden auch sie sich umbringen?«
Zornig wirbelte ich herum und kam ins Straucheln.