20/06/2015
Das Kinski – eine Ära geht zu Ende
48h Neukölln: das letzte Wochenende im Juni wird auch gleichzeitig das letzte Wochenende für den Kinski Kulturverein sein.
Die Bar ist nicht das erste Urgestein, das der Gentrifizierung des Kiezes, der mittlerweile durch Immobilienverkäufe und Wucherpreise geprägt ist, zum Opfer fällt.
Somit sind die 48h Neukölln eine unwiederbringliche Gelegenheit, nochmal vorbei zu schauen und dem nicht nur wegen seines Namens legendären Kulturverein im Norden Neuköllns Adieu zu sagen.
Mit der Eröffnung des Kinski Kulturvereins in der damals noch unspektakulären Friedelstraße hatten die Gründer einen Nerv getroffen. Wer 2001 in Neukölln-Nord abends noch ein Bierchen trinken wollte, dem blieb kaum etwas anderes als sich in die nächstgelegene Eckkneipe zu verfügen.
Es wohnte indes auch allerhand Studentenvolk in der Gegend, das die Trainingsanzugträger in Kampfhundbegleitung tagsüber noch ganz ersprießlich finden mochte, abends jedoch meist nach Kreuzberg aufbrach.
Also fragten sich ein paar Freunde aus der Nachbarschaft: Muss das so sein? Nein! Wir machen einen Laden auf! Sie gründeten einen Verein und eröffneten das Kinski.
Das Kinski wurde zum Treffpunkt für junge Regisseure, Filmemacher und Musiker, die eben nicht im gefragten Mitte, Prenzlauer Berg oder Kreuzberg leben wollten, sondern bewusst in Neukölln. Hier standen Fabriketagen und Wohnungen leer, die Mieten waren niedrig - ideale Bedingungen für Künstler, die nicht am Hochglanz-Kulturbetrieb der Hauptstadt teilhatten. "In Mitte wäre unser Laden zwischen all den anderen gar nicht aufgefallen", sagt Peter Domsch, ebenfalls Mitbegründer des Kinski.
Das klingt wie aus einem Land vor unserer Zeit, so sehr hat sich die Realität in den letzten Jahren verschoben. Und mit dem Kinski muss eine weitere Neuköllner Institution scheiden. Ein Ort, der es verdient hätte, noch Jahre bestehen zu bleiben und den Kiez zu prägen: mit seiner sympathischen, punkig-rotzigen Aura und seinem entspannten Publikum, das in jeder Nacht etwas anderes erfindet und die Zeit vergisst.
Nicht nur die Gründer und Mitglieder, alle Leute, die das Kinski aus dem einen oder anderen Grund geschätzt haben, werden den Laden mit dem speziellen Charme vermissen.
Nichtsdestotrotz heißt es an diesem Wochenende ein letztes Mal: ohne Hipster-Chic mit fairen Preisen, guter Musik und einer tollen Ausstellung in eine ungewisse Zukunft!