26/05/2019
„Sporthalle für Kinder statt Lagerhalle für Baustoffe“
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Olaf Raschke,
die Sächsische Zeitung berichtete darüber, daß die Stadtverwaltung die alte Gewichtheberhalle für einige Zeit als Ersatz für die Bauhofhalle nutzen will. In der Konsequenz entfällt damit eine weitere überdachte Stätte für den Breitensport in unserer Stadt bis auf Weiteres. "Auf Nachfrage erklärte Michael Eckardt von der Pressestelle der Stadt, dass die alte Gewichtheberhalle 'bis Jahresende u. a. als Unterstellmöglichkeit‘ genutzt werde'". Die SZ berichtet weiter, die Halle des Bauhofes mit dem defekten Dach "beherberge u. a. einen Teil des betrieblichen Fahrzeug- und Maschinenparks sowie geschützt zu lagernde Materialien, die schrittweise und zeitlich begrenzt in die alte Gewichtheberhalle umgelagert werden.“
Für diesen Zweck ist die alte Gewichtheberhalle bekanntermaßen allerdings nur bedingt geeignet, da ihre Raumkapazitäten und die Durchfahrthöhen begrenzt sind. Hier würde z.B. das von der Stadt erworbene Objekt Höroldstraße größere und besser befahrbare Kapazitäten bieten. Alte Molkerei und ICM verfügen ebenfalls über größere Leerstandsflächen. Auch wurden bislang anscheinend noch keine privaten Kapazitäten angefragt. Seitens mehrerer Privatunternehmer liegen uns inzwischen Erklärungen vor, auch mit privaten Kapazitäten an einer alternativen dezentralen Unterbringung der Materialien mitzuwirken. Wir können nicht nachvollziehen, warum angesichts vieler tausend Quadratmeter Leerstand an Hallen, Scheunen usw. in Meißen und Umgebung ausgerechnet die Gewichtheberhalle dafür genutzt werden soll.
Hier stimmt offensichtlich die Wertehierarchie im Verwaltungshandeln nicht. Der Schutz von Baumaterialien ist wichtig, kann allerdings auch an anderer Stelle erfolgen. Gesundheit und Wohlergehen unserer Kinder sind wichtiger. Und dafür gibt es im Winter angesichts der vorhandenen Kapazitäten keine Alternativen zur Gewichtheberhalle.
Wir sind gerne bereit, Sie bei der Suche nach gangbaren Alternativen zu unterstützen. Teilen Sie uns bitte mit, was die konkreten Bedarfskriterien sind. Auch für ein persönliches Gespräch stehen wir gerne kurzfristig zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Walter Hannot
Initiative „Bürger für Meißen-Meißen kann mehr“
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*Baumaterial drin, Kinder draußen*
Die Stadtverwaltung will die alte Gewichtheberhalle als Bauhof nutzen – die Sportler des MSV 08 sind enttäuscht.
Meißen. Im Winter zeichnen die Fußballer die Umrisse einer Kleinfeldhalle in den Schnee, umso für die Hallenspiele zu trainieren, weil sie selbst keine Halle haben, erklärt Johannes Diemert vom Vorstand des Meissner Sport-Vereins 08 (MSV 08), bei dem rund 500 Kinder und Jugendliche trainieren. Dabei steht einen Steinwurf entfernt die alte Gewichtheberhalle, die seit April 2018 nicht mehr genutzt wird, weil die Gewichtheber gegenüber in die neue Halle gezogen sind.
Auch im kommenden Winter werden die Kinder und Jugendlichen des MSV 08 wieder ihre Spuren in den Schnee ziehen, denn die Stadtverwaltung will die alte Gewichtheberhalle selbst nutzen. Nicht als Sporthalle, sondern weil im Januar ein Teil eines Hallendaches im Bauhof an der Jaspisstraße eingestürzt ist, als Lagerhalle. Auf Nachfrage erklärte Michael Eckardt von der Pressestelle der Stadt, dass die alte Gewichtheberhalle „bis Jahresende u. a. als Unterstellmöglichkeit“ genutzt werde. Am 1. April lautete die Antwort noch, „aufgrund der unerwartet eingetretenen Ausnahmesituation bleibt die ehemalige Gewichtheberhalle aber noch für mindestens ein Jahr in städtischer Bewirtschaftung“.
In der aktuellen Antwort auf die Frage, was denn überhaupt in der defekten Halle auf dem Bauhofgelände gelagert wird, heißt es: „Die Halle des Bauhofes mit dem defekten Dach beherbergt u. a. einen Teil des betrieblichen Fahrzeug- und Maschinenparks sowie geschützt zu lagernde Materialien, die schrittweise und zeitlich begrenzt in die alte Gewichtheberhalle umgelagert werden.“
Eine andere Auskunft hatte Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) am 11. April in seiner Antwort auf die Anfrage der Stadträtin Dorothee Finzel (Freie Bürger) gegeben. Danach lagert der Bauhof „in der Halle Baumschutzgitter, Türblätter, Ersatzabfallbehälter, Hochwasserschutzmaterial, Baumaterial (welches wettergeschützt gelagert werden muss) und weitere Utensilien, die nicht täglich benötigt werden“. Und der OB führt etwas an, das bislang noch nie im Zusammenhang mit der alten Gewichtheberhalle erwähnt worden war. Es zeichne sich weiterer Bedarf an Lagerkapazitäten ab, „so z. B. für Sportgeräte der Questenbergschule, die im Zuge der dort bevorstehenden Baumaßnahmen zwischenzulagern sind und wofür ca. 100 Quadratmeter benötig werden“.
Offenkundig war die alte Gewichtheberhalle seitens der Stadtverwaltung dem MSV 08 fest zugesagt worden. „Ich habe mich zum Affen gemacht“, erklärt Johannes Diemert. Er habe den etwa 40 Sponsoren des Vereins das Konzept für die Nutzung der alten Gewichtheberhalle vorgestellt und bei ihnen Zusagen für Unterstützung eingeholt. Dann kam im März die Kehrtwende. Bürgermeister Markus Renner erklärte im Sozial- und Kulturausschuss, dass die Stadt die Halle selbst braucht. „Johannes Diemert hat auch vor den Kindern ein Stück weit das Gesicht verloren, weil sie so auf die Halle gehofft hatten“, erklärt Martin Schade. Der CDU-Stadtrat bemüht sich darum, die alte Gewichtheberhalle als Kaltlufthalle zu erhalten. So sei ein Konzept erarbeitet worden, das die gemeinsame Nutzung mit den beiden anderen Interessenten, dem DRK-Kreisverband Meißen und dem JuClu16, sicher stellen würde.
Martin Schade befürchtet, dass das Umfunktionieren der alten Gewichtheberhalle zum Bauhoflager deren Status als Sporthalle zerstören könnte. Michael Eckardt von der Pressestelle der Stadt erklärt dazu: „Diese zeitlich begrenzte Zwischennutzung schränke die Möglichkeit, die alte Gewichtheberhalle auch künftig für den Sport zu nutzen, keineswegs ein.“
https://www.saechsische.de/plus/baumaterial-drin-kinder-draussen-5068961.html