12/11/2020
Offener Brief an die Landesregierung Nordrhein-Westfalen und die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland
Sehr geehrte Damen und Herren,
als langjähriger Partner von mehr als 600 Fitness-, Sport- und Gesundheitsstudios im deutschsprachigen Raum sehen wir uns in der Verantwortung, zu den von Ihnen verhängten Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie Stellung zu beziehen. Da wir mit tausenden Studios im teils freundschaftlichen Kontakt stehen, haben wir einen 360 Grad Blick auf die Branche und kommen zu folgenden Erkenntnissen:
1. Es gibt keine Belege dafür, dass der Besuch eines Studios ein spezifisches und erhöhtes Risiko darstellt, sich mit COVID-19 zu infizieren.
2. Ihre Regierungen haben Studiobetreiber bereits in den vergangenen Monaten dazu aufgefordert, aufwendige, kostenintensive Hygienekonzepte umzusetzen. Das ist vollumfänglich bei nahezu allen Studios erfolgt.
3. Fitness- und Gesundheitsangebote stellen einen wichtigen Baustein dar, die physische und psychische Gesundheit von Menschen zu erhalten. Insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten, besonders aber im Hinblick auf die aktuelle Situation gilt es, das Gesundheitslevel von insbesondere Risikogruppen auf einem Niveau zu halten, das hilft, Erkrankungen zu überstehen. Im Zusammenhang mit COVID-19 seien hier explizit Cardiotrainings erwähnt, die sowohl Herz-Kreislauf als auch die Lunge stärken. Aber auch der positive Einfluss von beispielsweise Ausdauersport auf die psychische Gesundheit ist in zahlreichen medizinischen Studien nachgewiesen.
4. Die Lockdowns bedrohen die Studiobetreiber existenziell: Das wissen wir aus Gesprächen mit hunderten Betreibern. Vorübergehende Finanzspritzen können keine Langzeiteffekte kompensieren. Sprich: Studiomitglieder bzw. Kunden, die nicht regelmäßig trainieren können, werden sich abmelden. Dieser Verlust trägt sich über Jahre durch den Businessplan und addiert sich zu zusätzlichen Kosten für Hygienemaßnahmen. Bereits im Sommer war die Zahl der angemeldeten Studiomitglieder in Deutschland, abhängig von der Größe des Unternehmens, um 6 bis 7 Prozent zurückgegangen (Quelle: www.dssv.de) - Tendenz steigend.
5. Ihre Regierungen haben für die Fitnessbranche keine Strategie vorgelegt zum Umgang mit der Pandemie. Es fehlt hier an einem politischen Konzept, das wissenschaftlich fundiert ist.
Wir fordern Sie auf, die Öffnung der Fitness- und Gesundheitsstudios unter Hygieneauflagen unverzüglich zu ermöglichen mit folgenden Begründungen:
a.) Die Handlungsfreiheit ist ein Grundrecht der Bundesrepublik Deutschland. Wenn ein solches Grundrecht beschränkt werden soll, muss eine sehr gute Begründung vorliegen. Wir sind der Meinung: Nicht die Studiobetreiber müssen darlegen, dass Ihr Studio kein „Hotspot“ ist. Sondern Sie als Regierung müssten – beispielsweise mit Studien – belegen, dass Studios einen Ansteckungsherd darstellen. Diesen Beleg haben Sie nicht erbracht – siehe dazu Punkt 1.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat persönlich dargelegt, dass weder Restaurants noch Geschäfte explizite Hotspots darstellen. Es ist davon auszugehen, dass das selbe für Fitnessstudios gilt.
b) Der Effekt der umgesetzten Hygienemaßnahmen wurde nicht quantifiziert. Es wäre Ihrerseits zu belegen, dass diese nicht ausreichend greifen, insbesondere im Hinblick darauf, dass andere europäische Nachbarn wie die Schweiz und die Niederlande den Wert von Fitnessstudios erkannt und diese nicht geschlossen haben.
c) Die volkswirtschaftlichen Kosten, die durch ein schlechteres Gesundheitslevel der Bevölkerung aufgrund mangelnden Fitnesstrainings entstehen, sind von Ihnen nicht quantifiziert worden. Es gibt unserer Kenntnis nach keine Bemühungen, diese zu erfassen. Insofern wäre Ihrerseits darzulegen, dass die Schließungen der Studios einen höheren volkswirtschaftlichen Gesundheitsgewinn erbringen als ihre Öffnungen. Auch diesen Beleg, der zwingend für die Einschränkung eines Grundrechtes ist, haben Sie nicht erbracht.
d) Aufgrund der unter Punkt 4.) genannten Fakten ist zu befürchten, dass die gesamte Branche und damit zahlreiche Arbeitsplätze bedroht sind. Die Insolvenz hunderter, vielleicht tausender Unternehmer und der Jobverlust hunderttausender Menschen wird fatale Konsequenzen haben. Überdies ist die flächendeckende Versorgung mit Gesundheitsangeboten gefährdet. Die volkswirtschaftlichen Kosten, die dadurch entstehen, sind kaum zu kalkulieren.
Des Weiteren fordern wir Sie auf, gemeinsam mit Studiobetreibern und Unternehmen aus der Fitnessbranche eine Strategie zu erarbeiten, wie mit der Pandemie umzugehen ist. Sollen Studios künftig immer geschlossen werden, wenn Neuinfektionen von etwa 15.000 am Tag gemeldet werden? Wenn ja, für welchen Zeitraum? Unter welchen ggf. verschärften Hygienebedingungen können Studios langfristig wieder öffnen? Wie und unter welchen Voraussetzungen ist eine Öffnung möglich, sobald ein Impfstoff vorliegt? Empfehlen Sie Gründern, von der Öffnung neuer Studios abzusehen?
Diese wichtigen Fragen sind derzeit unbeantwortet.
Abschließend möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir als Marktführer für digitale Fitness etliche solidarische Maßnahmen ergriffen haben, um Fitnessstudios zu unterstützen. Wir machen das gerne, weil wir davon überzeugt sind, dass Fitnessstudios für das gesellschaftliche Leben existenziell sind. Wir wünschten uns von Ihnen eine ähnliche Sensibilität für die Branche und warten dankend auf eine Stellungnahme.
Ihr Team von CyberFitness.