12/07/2023
Tja…
Liebe Mitmenschen,
Heute erhielten wir überraschenden Besuch vom Ordnungsamt. Die in der Tat sehr nette Dame teilte uns den Unmut einer - natürlich anonym bleibenden - Person über die zunehmend unerträgliche Lärmbelästigung und das steigende Gästeaufkommen im Viertel mit. Als Steine des Anstossens wurden primär Besucher des geschätzten Kiosk quer gegenüber und unsere regelmässig ausartenden "Vernissagen" genannt. Auf Einzelheiten möchten wir hier gar nicht eingehen.
Aber immer wieder hören wir natürlich von Kolleginnen und Kollegen, die ihrerseits versuchen, die Stadt Essen mit ihren unterschiedlichen Angeboten zu beleben, von Repressionen und Beschwerden aus der Anwohnerschaft. Unsere Nachbarn von der School of Drinking können beispielsweise auch aus diesem Grund ihre Aussengastronomie aktuell nicht betreiben - was Angesichts der Jahreszeit höchst bedauerlich ist. Im Grunde kämpft fast jedes Unternehmen mit Gästeaufkommen auf die eine oder andere Art mit ähnlichen Problemen.
Wir finden das sehr schade. Auf der einen Seite gibt es oft viel Kritik an Provinzialität und fehlenden Optionen. Es wird sehnsuchts- und neidvoll auf andere Städte geschaut, weil da ja sooo viel los ist. Sobald aber versucht wird, das kulturelle und soziale Miteinander zu bereichern, kommen die Querulanten und sorgen für Eindämmung oder zumindest Unfrieden.
Versteht uns bitte nicht falsch. Regelmässige Ruhestörungen und Randale sind ein absolutes No-Go und sollten immer geahndet werden. Auch wir haben wenig Bock auf Dauerbeschallung und Pöbeleien. Und wir achten auch sehr genau darauf, wie lange es bei uns bei den Eröffnungen draussen wie laut ist. Mittlerweile machen wir ja auch eh meist recht zeitig Schicht. Das war noch vor Corona ganz anders. Aber man wird ja auch nicht jünger :-)
Trotz Alledem - in den mittlerweile über sechs Jahren unseres Bestehens mit derweil über 50 Ausstellungen - hatten wir vielleicht maximal 2x die Polizei hier. Und letzten Endes waren wir gar nicht die Ursache, wie uns die Beamten versicherten. Wir sind dann aber trotzdem nach drinnen gegangen, um halt niemanden zu stören.
Offenbar haben sich aber in letzter Zeit hier Menschen angesiedelt, die zwar gern mittendrin sind - man hat ja soviel Optionen - aber das Mittendrin hat sich gefälligst nach ihnen zu richten. Wenn es sie nach draussen treibt, darf es bunt und lebendig sein … aber bitte auch nur dann.
Es ist so ein müssiges Thema. Warum sprechen uns diese Mitmenschen nicht direkt an, wenn es akut ist? Wir sind die Letzten, die nicht Verständnis und Ohr haben und lösungsorientiert agieren. Wir möchten ein friedliches Miteinander.
Ja - wir machen einmal im Monat eine Ausstellungseröffnung. Zu einer kindgerechten Zeit. Wir sind ein Kunstraum. Keine Party-Location. Und ja - einmal im Monat stehen hier Gäste vor dem Laden, die sich unterhalten. Sollten wir erfahren, dass es zu laut ist, würden wir auch intervenieren und die Leute bitten, leiser zu sein.
Aber wann fängt das an? Um 20 Uhr?
Es ist ein Trauerspiel. Wir können an dieser Stelle ja auch nicht viel sagen und machen. Aber wir möchten einfach alle, die es betrifft bitten, darüber nachzudenken, in welcher Welt sie leben möchten. Zum menschlichen Miteinander gehört halt auch Unterhaltung, Kultur, Interaktion. Wie trist wäre es, wenn wir uns alle nach 20 Uhr in unsere privaten Gemächer zurückzögen und draussen wehen die Heuballen vorbei?
Wir bitten um Verständnis und wir haben Verständnis. Es gibt immer eine Möglichkeit für Konsens und ein harmonisches Auskommen. Man muss nur miteinander reden.
In diesem Sinne - auf gute und kommunikative Nachbarschaft.
Jesus & Chris