Die hauptsächlich schwarzen Bewohner der Stadtteile
verspürten den Drang, ihr ihnen von außen auf oktroyiertes Stigma
abzulegen, um sich dann selbst neu definieren zu können. Die
Unterdrückten von damals wollten ihr neu gewonnenes Lebensgefühl nach
außen tragen und nutzten die Musik dazu. Die Einordnung von HipHop in das Marktsegment „Black Music“ ist nicht
falsch, dennoch ist es nicht korrek
t HipHop als rein „schwarz“ zu definieren. Tatsache ist, dass viele Elemente im HipHop, wie starke Betonung der
Rhythmik, Frage - Antwort - Motive und Improvisation, allgemeine
Merkmale von afroamerikanischer Musik sind.1
Folglich ist HipHop „nur“ eine
Fortführung von alt Bekanntem. Trotzdem haben auch ältere „schwarze“
Musikstile Elemente in sich, die ihren Ursprung in der „weißen“ Welt haben. So übernahm zum Beispiel der Jazz europäische Melodiemuster und die
Idee des musikalischen Solos. Das durch christliche Missionierung bedingte
Verbot der Trommel war der ausschlaggebende Punkt dafür, dass das
Klatschen in die Hände und das Stampfen mit den Füßen im Gospel einen
so hohen Stellenwert hat. Trotzdem entstanden Gospel, Jazz und HipHop in
der „schwarzen“ Gesellschaft und werden von daher immer in Verbindung
mit Menschen afroamerikanischer Herkunft gebracht. Weiter definiert sich HipHop durch seine kollektive Identität. Die Themen,
die in den HipHop-Songs verarbeitet werden, liegen alle der
afroamerikanischen Geschichte zu Grunde. Es geht um rassistische
Segregation der Bevölkerung, Kriminalität und Armut. Alles Themen mit
denen sich auch andere marginalisierte Gruppen identifizieren können. So
ist es nicht verwunderlich, dass HipHop-Künstler aus anderen Ländern wie
Deutschland, Frankreich oder Großbritannien alles Menschen mit
Migrationshintergrund sind.3
Trotz des leidvollen Hintergrundes, aus dem sich der HipHop entwickelt hat,
vermittelt diese Musik Lebensfreude. Schon die Ursprünge waren
Tanzveranstaltungen, zu denen sich die Jugendlichen eines Bezirks
versammelten, um sich zu amüsieren. Des Weiteren orientiert sich HipHop
in seiner Charakteristik sehr stark am Funk, der durch seine tänzerische
Kraft sein Publikum zum Feiern motiviert. Dabei wird, im Gegensatz zum
sozialkritischen Ansatz von HipHop, kein besonders großer Wert auf
Aussage und Inhalt der Texte gelegt. HipHop ist also die Summe aus afroamerikanischer Musikgeschichte, dem
Leid gesellschaftlicher Randgruppen und der Idee, seine Anhänger zum
Tanzen zu animieren.