30/04/2019
So löst die Politik das Wohnungsproblem in Berlin? 174 Wohnungen (darunter 80 mietpreisgebunden) auf 30.000 qm Grundfläche. Respekt!
Stattdessen ein weiterer Meilenstein der Disneyfication Berlins - Coral World.
Und was ist mit uns?
Wir sind die Statisten in diesem tumben Vergnügungspark.
Wir sollen für n bissl Gänsehaut sorgen.
("Guck mal Mama, ein Berlina!" - "Fass das nicht an, du weisst nicht, was das so alles hat")
Als Statisten haben wir natürlich auch nichts mitzureden, wenn das graue Stadtmanagement (kurz: das Grauen) unsere Stadt umbaut. Mit Begriffen wie Kreativität oder Originalität können sie nichts anfangen. Zu viel Farbe. Zu verwirrend...
Was taugt denn der Stadtplan von Barcelona, wenn man ihn in Berlin nicht benutzen kann? Standardisierung ist Fortschritt!
Ganz abgesehen davon, nutzt es auch der Umwelt, weil man sich das ganze Reisen bald sparen kann.
Also, jede Stadt, jeder Bezirk auf dieser Welt sollte eine eigene Coral World bekommen mit starf**ck, macdoof und nem hasi & mausi store!!!
.. und wenn Kritiker fragen, was zum Teufel hat das hier in Berlin zu suchen? Denen sei gesagt: Es geht um unsere Geschichte. Vor n paar (mio) Jahren, war hier nämlich mal Meer!
Ach so, fast vergessen, es stehen ja wieder Wahlen an ...
GEHT WÄHLEN!!!
Herzlichen Glückwunsch Lichtenberg: Ihr kriegt einen 27 Jahre alten Bebauungsplan, eine großartige Touriattraktion, die sich die wenigsten von euch leisten können, aber dafür 500.000 Touris pro Jahr inkl. entsprechender Infrastruktur. Freut euch auf Hotels, Fressbuden und Souvenirshops. Soll ja nicht nur in Mitte scheiße aussehen. Dafür kriegt ihr immerhin 80 (in Worten ACHTZIG) geförderte Wohnungen. Eventuell ein paar mehr, wenn sich Padovicz & co. dazu erbarmen. Aber no pressure, Druck von Politikseite wird's ja eh nicht geben.
Heute wurde auf der Sonder-BVV Sitzung in der HTW der Bebauungsplan Ostkreuz beschlossen. Ganze 5 BVV-Mitglieder (2x Grüne, 2x Linke, 1x Fraktionslos) haben dagegen gestimmt. Schon das Setting war eine Farce. Aus "sicherheitstechnischen Gründen" wurde die BVV ins Audimax verlegt, dass sich viel besser abriegeln und kontrollieren lässt, als die Aula davor. Die Uni hat alle Veranstaltungen ab 16 Uhr abgesagt und Studierende und Angestellten aufgefordert den Campus zu verlassen. 2 Hundertschaften Cops haben die Veranstaltung zur bestgesicherten BVV Berlins gemacht. Bezirksvertreter*innen hautnah zum anfassen. Ein paar dutzend Leute durften dann rein und wurden zum Teil schnell wieder polizeilich rausgeschleppt.
Inhaltlich konnte das Ganze von Seiten von SPD Lichtenberg und DIE LINKE.Lichtenberg auf den Satz "Lieber schlecht irgendwas bauen, als gar nichts bauen" runtergebrochen werden. Auf die 44.000 Menschen der Online Petition wurde ebensowenig eingegangen, wie auf die 20.000 Unterschriften für die Volksinitiative, die tausend Stimmen für den Einwohner*innenantrag (der ebenfalls ohne Diskussion abgelehnt wurde) und den Alternativen Bebauungsplan, an dem Aktivist*innen, Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Jurist*innen jahrelang gearbeitet und - im Gegensatz zum jetzigen B-Plan - Anwohner*innen in die Planung miteinbezogen haben. Alle juristischen Einwände - etwa erhebliche Zweifel von Planungsrechtler*innen, oder das die Mär von exorbitant hohen Entschädigungszahlungen nicht stimmt - wurden ebenso ignoriert.
Selbst aus bürgerlicher Perspektive war das ein Trauerspiel. Anstatt die Einwände von zehntausenden Menschen und das akribisch erarbeitete Alternativkonzept ernsthaft und auf Augenhöhe zu diskutieren, wurde mit einem Geschäftsordnungstrick überfallartig eine Sondersitzung einberaumt zu dem nicht mal die Presse offiziell eingeladen wurde, nur um den Protest und die Volksinitiative mit einem schnellen Beschluss zu unterlaufen.
Was lernen wir aus der heutigen ? 60.000 Unterschriften, monatelanges Engagement für einen alternativen Bebauungsplan, zahlreiche Proteste interessieren gewählte Vertreter*innen einen Scheißdreck.
Es gab' nie eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Protest und dem alternativen Bebauungsplan, der so gut ausgearbeitet war und auf aktue Bedürfnisse eingeht, wie es Linke und SPD sich nicht in feuchten Träumen hätten ausmalen können. Zehntausende |er*innen und |er*innen fühlen sich ignoriert und nicht ernst genommen und gewonnen haben 80 glückliche Menschen die die Brotkrumen des sozialen Wohnungsbaus an der bekommen. Ansonsten freuen sich , , und ihre Investor*innen die ein letztes Filetstück quasi ohne Gegenleistung ins Portfolio geknallt kriegen. Ihr beschwert euch über wütende Aufrufe DIE LINKE.Lichtenberg, SPD Lichtenberg & co.? Ihr, eure Ignoranz und eure Verachtung des Engagements zehntausender Menschen sind der Grund für solche Aufrufe und für alle Aufrufe und Aktionen die noch folgen werden und die sich bewusst den parlamentarischen Regeln entziehen werden, weil ihr uns immer und immer wieder zeigt, das diese Regeln für uns nichts wert sind. Danke für nichts.